Ansprechpartner für Fragen und Anmeldung: 

Projekt SeisoFREI...und bleib dran!
Michelle Hübenthal
E-Mail:m.huebenthal@fwg-net.de
Tel.:069/94 94 767-780
(Immer Mittwochs in der Zeit von 10:00-12:00 Uhr)

Hier gibt's den Bewerbungsbogen zum Download

Weitere Informationen rund um das Thema Ex-In finden Sie hier:
www.ex-in.de
www.soziale-inklusion.com

 

Ein Kooperationsprojekt
der frankfurter werkgemeinschaft e.V.
 
  und dem Verein Soziale Inklusion e.V.

 

 

Jetzt drehen wir den Spieß um

 

Der ´Experienced-Involvement´ (Ex-In) Ansatz fördert die Qualifizierung von psychiatrieerfahrenen Menschen, damit sie als DozentIn oder als MitarbeiterIn in psychiatrischen Diensten tätig werden können. 

 

Frau F. ist Teilnehmerin im Projekt SeisoFREI über das wir bereits mehrfach berichtet haben. Hier erzählt sie im Interview mehr über Ihre Ausbildung zur ‚Ex-In-Genesungsbegleiterin‘ und verrät, welche neue berufliche Perspektive sie sich dadurch erhofft.

 

Michelle Hübenthal im Gespräch mit Frau F.

 

Hübenthal: Frau F., Danke für Ihre Bereitschaft zu einem Interview. Sie absolvieren momentan eine Ausbildung zur Ex-In-Genesungsbegleiterin. Können Sie mir verraten, was es mit dem Ex-In Konzept auf sich hat?

 

F.: Ex-In steht für ´Experienced-Involvement´ und wurde im Rahmen des europäischen Leonardo da Vinci Pilotprojekts Ex-In 2005-2007 entwickelt. Inzwischen wird es in vielen Ländern mit unterschiedlicher Gewichtung angewendet. Das Ziel jeder Ausbildung bleibt jedoch das gleiche: Die Ausbildung von Psychiatrie-Erfahrenen zu GenesungsbegleiterInnen und/oder DozentInnen. Ich absolviere meine Ausbildung  bespielweise beim Verein für soziale Inklusion e.V. in Wetzlar. Hier lerne ich zusammen mit anderen TeilnehmerInnen innerhalb von zwei Jahren, wie wir unsere bisherigen Erfahrungswerte hinsichtlich unserer Erkrankung sinnvoll für Andere einsetzen können. Wir werden quasi zu Experten durch unsere Erfahrung.

 

Hübenthal: Das ist ja äußert spannend! Es scheint, als würde hier eine Umkehr der Stigmatisierung stattfinden. Die Schwäche wird zur Stärke.

 

F.: Ja. Über meine lange währende Depression mit stabileren Phasen aber auch vielen Tiefs habe ich nun einen neuen Weg gefunden, wieder tätig zu werden. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass auch negative Erfahrungen zu einem positiven Ergebnis führen können. Denn genau diese werden nun zu meiner Stärke. 

 

Auch die am besten ausgebildeten Ärzte und Psychologen können nicht nachvollziehen, wie man sich als psychisch Erkrankte fühlt, wenn sie nicht selber einmal erkrankt sind. Zudem sind viele Psychiatrien gekennzeichnet durch eine überwiegend medizinisch orientierte Behandlung. Psychiatrie-Erfahrene verfügen jedoch durch ihre bisherige Nutzung der psychiatrischen Dienste,  über ein gutes Wissen über unterstützende Haltung, Methoden und Strukturen, das sie an Andere weitergeben können, welches aber derzeit noch kaum in die bestehende Versorgung mit einfließt. 

 

Hübenthal: Können Sie mir Beispiele nennen, in welchen Bereichen die GenesungsbegleiterInnen nach Abschluss ihrer Ausbildung tätig sind? Welche beruflichen Perspektiven erhoffen Sie sich konkret von der Ausbildung?

 

F.: Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Bisherige Absolventen hatten gute Chancen in Kliniken, im betreuten Einzelwohnen, in Tagesstätten, Werkstätten oder Beratungsstellen beschäftigt zu werden. Ich persönlich wollte schon immer mit Kindern  arbeiten, hatte hier aber keinerlei Berufserfahrung vorzuweisen. Nach Ausbruch meiner Erkrankung besuchte ich lange Zeit eine Tagesstätte in Frankfurt. Dies war ein Ort, wo ich hingehen und mich stabilisieren konnte. Dennoch hatte ich von Zeit zu Zeit das Gefühl, dass ich langfristig  auch zur `anderen´ Seite gehören könnte und unter meiner persönlichen Leistungsfähigkeit bleibe. Gleichzeitig stand für mich jedoch auch fest, dass ich nicht wieder in meinen alten Beruf als Sekretärin zurück wollte. In der Zeitschrift Treffpunkte erfuhr ich vom Projekt SeisoFREI und suchte nach einer Möglichkeit durch ein Ehrenamt andere berufliche Erfahrung sammeln zu können. Hier erzählte ich Ihnen erstmals meine Geschichte und berichtete von meiner Hoffnung eine Tätigkeit im pädagogischen Bereich finden zu können. Als Sie mir von der Möglichkeit der Ex-In Ausbildung berichteten,  war ich sofort Feuer und Flamme. Ich sah erstmals eine Gelegenheit, meine Erfahrungswerte sinnvoll für die Arbeit mit Kindern nutzen zu können. Ganz konkret habe ich hierfür bereits ein Praktikum in der Tagesstätte der fwg absolviert. Momentan laufen die Bewerbungen für ein zweites Praktikum in einer gemeindepsychiatrischen Einrichtung für Kinder.

 

Hübenthal: Sie erzählen, dass Sie lange Zeit Besucherin einer Tagesstätte in Frankfurt waren und erst vor kurzem ein Praktikum in der Tagessstätte der fwg absolviert haben. Wie hat sich das für Sie angefühlt, das „Seiten-Wechseln“?

 

F.: Es hat sich sehr gut angefühlt. Es entspricht meiner Einstellung, Anderen helfen zu wollen. Im Umgang mit psychisch beeinträchtigen Menschen braucht man viel Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen. Dabei stieß meine eigene Betroffenheit auf viel wohlwollendes Interesse von Seiten der Besucher der Tagesstätte. Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass meine eigene Betroffenheit mir den Zugang zu Ihnen erleichterte. 

 

Hübenthal: Ist die Ausbildung denn für Jeden erschwinglich?

 

F.: Die Kosten variieren je nach Ausbildungsinstitut. Bei mir liegen die Kosten pro Modul derzeit bei 190 Euro, wobei 12 Module innerhalb von einem Jahr zu absolvieren sind. Hinzu können, je nach Wohnort, noch Anfahrts-und Übernachtungskosten anfallen. Diejenigen die an einer solchen Ausbildung Interesse haben, den Kurs aber nicht selbst finanzieren können, rate ich, sich bei ihrem bisherigen Leistungserbringer bezüglich finanzieller Unterstützung zu informieren. Dies können beispielsweise Arbeitsämter, Rentenversicherungsträger oder aktuelle Arbeitgeber sein. Auch kann man das persönliche Budget, Hilfen zur Wiedereingliederung oder Zuschüsse von Wohlfahrtverbänden in Betracht ziehen. Gut ist, wenn man über die Finanzierungsmöglichkeiten vorab mit dem Ausbildungsinstitut redet. Hier erhält man in der Regel viele wichtige Tipps, unter anderem auch bezüglich der richtigen Antragstellung. 

 

Hübenthal: Welche Voraussetzungen müssen Teilnehmer mitbringen, um an der Ausbildung teilzunehmen?

 

F.: Neben einer möglichst stabilen gesundheitlichen Verfassung, damit man die rund 300 Schulungsstunden erfolgreich absolvieren kann, forderte mein Ausbildungsinstitut das ich Psychiatrie- und Selbsthilfeerfahrung mitbringe und bereit bin, mich auf Gruppenprozesse einzulassen. Hiervon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn wenn ich eins gelernt habe im Leben, dann: Wo ein Wille, da ein Weg! 

 

Hübenthal: Welchen Tipp möchten Sie anderen Betroffenen mit auf den Weg geben, die ähnliche Erfahrungen haben?

 

F.: Zu aller erst, dass sie niemals die Hoffnung aufgeben sollen aus einem Tief wieder heraus zukommen. Gerade bei Depressionen hilft es neben sportlicher Betätigung, auch ansonsten wieder aktiv zu werden, sich zu beschäftigen und vor allem sich von den eigenen kreisenden Gedanken abzulenken. Hier kann Ex-In eine sinnvolle Alternative sein, um am Ball zu bleiben und neue Perspektiven für sich zu entwickeln. Vor allem hilft sie dabei, einen selbstbewussten Umgang mit seiner jeweiligen Erkrankung zu entwickeln!

 

Hübenthal: Vielen Dank für Ihre Ausführungen zu diesem spannenden, neuen Konzept.

 

 

Internetauftritt das letzte mal aktualisiert am 22/07/2016 um 06:59.